Philipp Musshafen, Herr der Maaghallen

07.12.2015 - People
Philipp Musshafen, seit 4 Jahren bist du Geschäftsführer der MAAG Music & Arts AG. Vorher warst du in der Hotellerie tätig, zuletzt als Direktor eines Lifestyle Hotels in Weggis. Wo liegen die Unterschiede zwischen Hotellerie und Eventbranche und was sind die Gemeinsamkeiten?

Philipp Musshafen:
Die Gemeinsamkeiten sind relativ schnell und einfach zu finden. Beides sind Branchen, die auf die Dienstleistung ausgerichtet sind. Wir wollen unsere Gäste glücklich machen, egal mit welchem unserer Angebote. Weiter steht, neben der Infrastruktur, bei beiden Branchen der Mitarbeiter im Mittelpunkt. Das Team muss extrem gut zusammenarbeiten und jeder Einzelne muss die «Gastgeberrolle» übernehmen.

«Das Team muss extrem gut zusammenarbeiten und jeder Einzelne muss die Gastgeberrolle übernehmen.»

In einem Hotel werden Zimmer und Seminarräume vermietet – wir vermieten Eventräume und Sitz- bzw. Stehplätze. Auch für uns ist, wie im Hotel, die Gastronomie ein wichtiger Teil des Gesamterlebnisses für unsere Gäste.

Doch auch wenn die beiden Branchen in einigen Bereichen sehr viel gemeinsam haben, gibt es grosse Unterschiede: Das Eventbusiness ist sehr schnelllebig. Flexibilität – auch von der Infrastruktur selbst – ist sehr wichtig. Oft haben wir in unseren Hallen mehrere Anlässe nebeneinander und auch direkt nacheinander. Bei uns kommen die Gäste „nur“ ein paar Stunden, im Hotel liegt die durchschnittliche Aufenthaltsdauer in der Stadt bei ca. 1.5 Nächten.

«Oft haben wir in unseren Hallen mehrere Anlässe nebeneinander und auch direkt nacheinander.» 

Ein Hotel ist fast immer auf eine Hauptzielgruppe ausgerichtet. Bei uns vermischen sich verschiedenste Kundschaften. Die Anlässe, welche bei uns stattfinden reichen vom Businessevent einer Grossbank zu einer Messe mit Sneakers, über eine Photoausstellung, bis hin zum Musical. Daneben haben wir Konzerte, und natürlich den Club, jeweils am Freitag und Samstag. Auch die Gastronomie passt sich unseren Besuchern ständig an, das Angebot ist genau auf die Zielgruppe ausgerichtet je nach Event in den MAAG Hallen.

«Auch die Gastronomie passt sich unseren Besuchern ständig an, das Angebot ist genau auf die Zielgruppe ausgerichtet.»

Ein weiterer grosser Unterschied ist die Vermarktung. Auch hier gilt es, ständig die aktuellen Events an die Kunden zu bringen. Das kann vom Musical über eine Clubnacht zu einem Konzert bis hin zum Weihnachtsmarkt gehen. Du siehst, das Spektrum ist weit und wir haben viel Platz für Kreativität.


Kürzlich habt ihr die Maag Hallen umgebaut, seit Mitte September seid ihr in neuer Frische zurück am Start. Was ist euer erstes Fazit der neuen Hallen und was sind die Feedbacks der Veranstalter?

Der Umbau wurde in Rekordzeit durchgeführt und nach nur gerade vier Monaten haben wir mit einem grossen Event der Schweizerischen Bundesanwaltschaft wieder gestartet.

Grund für den Umbau war in erster Linie die Mietvertragsverlängerung bis 2025. Um diese Verlängerung zu erhalten, mussten wir strenge gesetzliche Auflagen erfüllen. Neben den akustischen/energetischen Massnahmen mussten wir Fluchtwege, Alarmsystem und Lüftung erneuern.

«Grund für den Umbau war in erster Linie die Mietvertragsverlängerung bis 2025.»

Daneben konnten wir den Umbau aber auch für ein „fresh up“ der Hallen nutzen. So konnten wir zum Beispiel die zwei Säulen in der EventHall entfernen und haben nun eine komplett säulenfreie Halle. Daneben konnten wir in Foyer und Club neue Bars einbauen.

«So konnten wir zum Beispiel die zwei Säulen in der EventHall entfernen und haben nun eine komplett säulenfreie Halle.» 

Der Härterei Club hat zusätzlich einen neuen Balkon erhalten, welcher das „Arena-Feeling“ bei den Club-Events unterstützt und eine neue, tolle Atmosphäre bietet.  Das Fazit ist sehr positiv. Die Gäste, die Veranstalter und auch wir sind zufrieden und ready für die kommenden zehn Jahre.


In knapp zwei Jahren steht für euch bereits die nächste gebäudliche Herausforderung an: Das Tonhalle-Orchester soll während dem Umbau des Kongresshauses in die jetzige Maag Eventhall ziehen. Was heisst das für eure eigenen Produktionen und was bedeutet es für Eventveranstalter? Habt ihr eine Ersatzlösung für die «verlorene Eventfläche» oder macht ihr einfach Pause bis das Tonhalle-Orchester wieder weg ist?

Das ist in der Tat eine sehr grosse Challenge. Ab 2017 soll das Tonhalle-Orchester die alte Härterei und die EventHall mieten. Das heisst, dass wir ab da «nur» noch das Foyer, den Club, das Auditorium und unser «Fabrikbeizli» Bistro k2 selbst betreiben werden. Der Corporate- und Public-Eventbereich wird mehrheitlich nicht mehr bei uns in der MAAG stattfinden können, dafür wird die Gastronomie an Stärke gewinnen. Wir werden aber nach wie vor unser Theater für Musicals und Showproduktionen nutzen, die Räume für Events vermieten und auch die Parties/Club Konzerte des Härterei Clubs veranstalten.

«Der Corporate- und Public-Eventbereich wird mehrheitlich nicht mehr bei uns in der MAAG stattfinden können.»

Unser Ziel ist es, dass wir allen unseren Kunden eine Ersatzlocation anbieten können für die Zeit, in welcher die Tonhalle bei uns zu Gast ist. Im Moment ist noch nicht ganz klar, ob wir eine solche Ersatzlocation haben werden bzw. ab wann. Aber die Zahnräder im Hintergrund laufen auf Hochtouren und wir sind guten Mutes, zu Beginn des kommenden Jahres eine tolle Lösung für alle unsere Eventkunden präsentieren zu können.


Reden wir noch ein wenig über die nähere Zukunft: Ihr seid ja nicht nur Location-Betreiber, sondern auch Veranstalter und Show-Produzenten. Was sind die nächsten Highlights  aus dem Hause Maag?

In den letzten Jahren hat die MAAG immer mehr auch extern veranstaltet. Wir mieten uns also teilweise auch bei unseren Mitbewerbern ein, was nicht immer für alle einfach ist. Am einen Tag sind wir Konkurrent, am anderen wieder Kunde. Wir hatten nun einen tollen Herbst mit vielen Konzerten und Shows.

«Am einen Tag sind wir Konkurrent, am anderen wieder Kunde.»

Sicher waren im Konzertbereich «Nightwish» in der St. Jakobshalle in Basel und «Imagine Dragons» im Zürcher Hallenstadion ein Highlight. In den kommenden Monaten folgen nun diverse spannende Acts wie: Ellie Goulding, Silbermond, Paul Kalkbrenner, Deichkind, Andreas Bourani, Hurts etc.

«In den kommenden Monaten folgen diverse spannende Acts.»

Im Showbereich standen und stehen «Höchste Zeit» und «Comedy Christmas» auf dem Programm und als nächstes freuen wir uns auf «Slava’s Snow Show», Sinatra & Friends und dann auf die neue grosse Eigenproduktion in der MAAG «Mein Name ist Eugen – Das Musical».

Sicher wird auch die «Silvesterei» – unsere Silvesterparty des Härterei Clubs - wieder ein Erfolg werden. Die Pipeline ist gefüllt und wir freuen uns auf ein tolles und eventreiches 2016!


Zum Schluss noch eine persönliche Frage: Was war dein persönliches Event Highlight der letzten Jahre? Gibt es ein Eventerlebnis das dir, ob als Veranstalter, Hallenbetreiber oder auch einfach Eventbesucher, in besonderer Erinnerung geblieben ist?

Ich habe viele Highlights. Wenn nicht, wäre ich in der falschen Branche. Jeder Event hat etwas einzigartiges. Wenn ich aber ein paar herauspicken darf, dann sind das sicher die Konzerte von Deichkind und Imagine Dragons, die beiden tollen Konzerte vom Maestro Ennio Morricone im Hallenstadion, das Musical «Ewigi Liebi», das Stück «CYCLOPE» und diverse Clubnächte/Konzerte mit Kygo und Klangkarussell.

«Ich habe viele Highlights. Wenn nicht, wäre ich in der falschen Branche. Jeder Event hat etwas einzigartiges.»

Bei den Events ist mir das WM Public Viewing in bester Erinnerung wie auch der heilige Bimbam und die Sneakerness. Immer wieder beeindruckend für mich sind die aufwendigen Umsetzungen bei Corporate Events. Was eine gute Eventagentur und unsere Partner alles aus unseren Industriehallen machen, ist bewundernswert und teilweise fast unglaublich!

«Was eine gute Eventagentur und unsere Partner alles aus unseren Industriehallen machen, ist bewundernswert.»

Du siehst, ich habe enorm viele Highlights und könnte noch viele weitere aufzählen. Für mich ein extrem wichtiges und fast tägliches Highlight ist auch die Zusammenarbeit mit dem MAAG Team und unseren Partnern. Es ist ab und zu schon etwas „crazy“, was wir alles bei uns machen und umsetzen, das braucht viel Energie und ein gutes Team im Hintergrund.


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