Jürg Opprecht, Hotelier mit Herz

27.11.2015 - People
Jürg Opprecht, vor 15 Jahren hast du das «Hotel Lenkerhof» im Berner Oberland gekauft und zu einem der modernsten Luxushotels in Europa umgebaut. Was fasziniert dich an der Hotellerie?
Jürg Opprecht: In einem stark umkämpften Markt durch Kreativität und Qualität Erfolg zu haben. „Me too“ interessiert mich nicht, mein Anreiz war, etwas neues und unkonventionelles zu schaffen. So positionierten wir den Lenkerhof Gourmet und Spa als das jugendlichste 5*Hotel der Schweiz. Das ganze Konzept baut darauf auf. Dabei hat das zelebrieren von Gastfreundschaft oberste Priorität.

Über den Lenkerhof sagt man, dass er eine einzigartige Symbiose von Gastfreundlichkeit und Kunst darstellt. Inwiefern haben diese beiden Eigenschaften mit dir zu tun?
Gastfreundlichkeit schafft Freundschaft. Meine Frau und ich haben mit vielen Stammgästen neue Freunde gewonnen. Wir betrachten unsere Gäste als Gäste, nicht einfach als Kunden. Unsere Mitarbeiter werden regelmässig in der Lenkerhof Akademie geschult. Dabei entdecken sie, dass ihre Freundlichkeit und ihre unkonventionellen Ideen, mit denen sie unsere Gäste überraschen, von diesen erwidert werden. Kunst ist mein Steckenpferd. Ich bin selber Künstler und stelle meine Bilder im Hotel aus, lade aber auch regelmässig andere KünstlerInnen ein, ihre Werke zu präsentieren.

Als Besitzer eines Schweizer Luxushotels hast du sicher auch selbst erhöhte Ansprüche an einen Hotel-Aufenthalt. Welche Voraussetzungen müssen für dich persönlich erfüllt sein, damit du dich in einem Hotel wohl fühlst?
Es ist unvermeidlich, dass ich beim Besuch eines Restaurants oder eines Hotels Vergleiche anstelle. Was machen wir gut oder besser, wo können wir noch einen Zacken zulegen. Bei allem Eigenlob auch selbstkritisch sein, denn wer aufgehört hat besser zu werden, hat aufgehört, gut zu sein. Ich kann mich in einem 3* Hotel durchaus wohl fühlen, wenn es sauber ist und mir als Gast mit natürlicher Freundlichkeit und Zuvorkommenheit begegnet wird.

Wie sieht es eigentlich mit der Wirtschaftlichkeit aus? Ist es möglich, ein Superior Haus wie den Lenkerhof wirtschaftlich rentabel zu führen – oder scheitert dies nur schon am erhöhten Investitionsbedarf?
Die Erstarkung des Schweizer Frankens gegenüber dem Euro der letzten 5 Jahre von gegen 50% ist auch an uns nicht spurlos vorbeigegangen. Unsere Devise war und ist ein straffes Kostenmanagement, ohne dass der Gast eine Qualitätseinbusse wahrnehmen darf. Das ist uns ganz  gut gelungen. Wir können werterhaltende Investitionen aus eigenen Mitteln bestreiten und jedes Jahr Abschreibungen tätigen.

Neben deiner Liebe zur Hotellerie hast du noch ein zweites Projekt, um welches du dich mit Leidenschaft kümmerst: Die Stiftung Business Professional Network «BPN». Mit dieser Stiftung förderst du in wirtschaftlich schwachen Ländern einheimische Unternehmer. Warum tust du das, was ist deine Movation?
Als ich 1997 die zentralasiatische Republik Kirgisien bereiste, sah ich die Not der enormen Arbeitslosigkeit. Das war 5 Jahre nach dem Zerfall der Sowjetunion, mit dem auch die Planwirtschaft zusammenbrach. Die Menschen sollten nun in kürzester Zeit von Planwirtschaft auf freie Marktwirtschaft umstellen. Natürlich waren sie damit total überfordert. Als ich das sah, sah ich auch die Möglichkeit, ihnen zu helfen. Das wurde in meinem Herzen zur Verantwortung. Seit 1999 durften wir helfen, in 5 Ländern über 700 UnternehmerInnen zu begleiten und 15‘000 Arbeitsplätze zu schaffen resp. erhalten. 
 

Herzlichen Dank, Jürg Opprecht, für das Gespräch
 


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