«Der grösste Luxus, den wir unseren Gästen schenken können, ist...»

28.11.2016 - People
Seit Anfang 2013 leitet Mark Jacob als Direktor des «Dolder Grand» die Geschicke des Luxushotels am Zürichberg. Im Gespräch mit eventlokale.ch beschreibt er, was «das Dolder» auszeichnet und zur ersten Adresse für anspruchsvolle Geniesser aus dem In- und Ausland macht.

Mark Jacob, von 2004 – 2008 wurde das Dolder Grand für rund 440 Millionen Franken umgebaut. Nach der Wiedereröffnung gab es einige kritische Stimmen zum «neuen Dolder» und auch wirtschaftlich verliefen die ersten Jahre nicht zu 100% zufriedenstellend. Wie geht es Ihnen und Ihrem Haus heute?
Mark Jacob: Rückblickend kann man sagen, dass die Wiedereröffnung nach dem Umbau fast so etwas wie eine Neueröffnung war. Das Hotel war vier Jahre lang weg vom Markt und unsere Stammgäste mussten sich während dieser Zeit vorübergehend eine neue Bleibe suchen. Da beim Umbau zudem Gebäudekonzept und Design erheblich verändert wurden, brauchte es nach der Wiedereröffnung etwas Zeit, bis sich die bisherigen Gäste an das neue Erscheinungsbild des Hauses gewöhnt hatten. Inzwischen sind aber unsere Stammgäste wieder heimisch geworden und wir freuen uns, jedes Jahr auch viele neue Gäste willkommen zu heissen.

Was sind Ihre eigenen Ansprüche, die Sie an das Dolder Grand stellen?
Unser Anspruch ist es, den perfekten Rahmen zu schaffen, damit unsere Gäste ihre Zeit geniessen können und sich beschenkt fühlen. Wenn ein Gast mit dem Gefühl abreist, dass er etwas erlebt hat, was er so nicht erwartet hätte, haben wir unser Ziel erfüllt.

Wenn wir davon ausgehen, dass Gäste im Dolder Grand eher anspruchsvoll sind, dürfte es nicht ganz einfach sein, ihre Erwartungen zu übertreffen...
Nun, man darf dies nicht allzu verkrampft angehen. Klar sind sich viele unserer Gäste materiellen Luxus gewöhnt. Die Frage ist, was denn heute der wirkliche Luxus im Leben ist. Ich würde sagen, Zeit ist für viele unserer Gäste das wertvollste Gut. Also wollen wir unsere Gäste dazu ermutigen, sich Zeit zu nehmen für sich. Dies kann mit einem wohltuenden Spa-Treatment oder einem feinen Essen geschehen, mit dem Ziel, dass sie danach entspannt und mit schönsten Erinnerungen wieder in den Alltag zurückkehren können.

Eigentlich sind Sie ja in der Luxushotellerie oben angekommen. Gault Millau hat das Dolder Grand 2016 zum besten Hotel der Schweiz gekürt, Stars und Sternchen gehen bei Ihnen ein und aus. Gibt es da überhaupt noch Steigerungspotential?
Dass wir von Gault Millau ausgezeichnet wurden, hat uns natürlich sehr gefreut. Gleichzeitig ist mir wichtig, dass wir nicht für irgendwelche Errungenschaften oder Titel arbeiten und uns stattdessen darauf konzentrieren, jeden Tag neu und jeden Tag mehr die Kultur unseres Hauses zu leben und erlebbar zu machen. Gemeinsam mit unseren 400 Mitarbeitern wollen wir sieben Tage die Woche, 24 Stunden am Tag für unsere Gäste da sein und ihnen während ihrem Aufenthalt ein unvergessliches Erlebnis bieten. Sicher ist es schön, eine Auszeichnung zu gewinnen, weil man dadurch die Bestätigung erhält, dass man auf dem richtigen Weg ist. Das Ziel und der Grund für unsere Anstrengung ist aber nie eine Auszeichnung, sondern immer das Wohl unserer Gäste.

Aus der Spitzen-Gastronomie hört man aber immer wieder, dass Micheline Sterne und Gault Millau Punkte für die Gewinner einen riesigen Druck mit sich bringen. Ist dies in der Luxushotellerie entspannter?
Der grosse Vorteil von Hotels gegenüber der Gastronomie betreffend Gault Millau liegt darin, dass der Titel «Hotel des Jahres» durch Gault Millau jedes Jahr an ein anderes Hotel vergeben wird, was bedeutet, dass es faktisch gar nichts zu verteidigen gibt (lacht). Auf der anderen Seite ist es so, dass in der Gastronomie viel stärker als die Hotellerie, eine Einzelpersonen im Fokus steht. In einem Restaurant ist es der Küchenchef, der seine "Punkte" holt und verteidigt – und die Speisekarte durch seine Persönlichkeit prägt. In der Hotellerie sieht dies anders aus. Hier gibt es nicht eine einzelne Person, die den Unterschied macht. Es sind alle zusammen, die gemeinsam und gleichermassen zum Gelingen beitragen. So lässt sich auch die Verantwortung besser auf verschiedene Schultern verteilen.

Sie stammen aus einer Hotelier-Familie, Ihre Eltern führten das Suvretta House in St. Moritz. Was hat Sie dazu gebracht, in ihre Fussstapfen zu treten? Oftmals entscheiden sich ja Kinder, deren Eltern einen intensiven Job haben, bewusst, einen anderen Weg zu gehen, weil sie sich nicht gleichermassen "aufopfern" wollen, wie sie dies bei Mutter und Vater gesehen haben.
Nun, mein Vorteil als Hotelier-Kind war, dass ich den Preis und die Vorzüge der Hotelbranche aus erster Hand kennenlernen konnte. Klar hatten meine Eltern auch intensive Momente, aber die positiven Aspekte haben definitiv überwogen. Und es ist ja nun auch nicht so, dass Druck und Präsenzzeit in einem Hotel heutzutage wesentlich höher sind, als dies in anderen Jobs mit Verantwortung der Fall ist. Am Ende geht es gerade bei intensiveren Jobs darum, dass wir sie nicht als Beruf, sondern aus Berufung machen. Nicht weil wir müssen, sondern weil wir wollen. Das war auch meinen Eltern sehr wichtig, so dass sie zu keinem Zeitpunkt Druck auf uns Kinder ausgeübt haben. Trotzdem, oder gerade deshalb hat es mich nach der Matura zurück in die Hotellerie gezogen.

Mark Jacob, vielen Dank für das Gespräch.

Mark Jacob ist 41 jährig und seit vier Jahren Managing Director der Dolder Hotel AG in Zürich. Zuvor war er während fünf Jahren Vizedirektor des Luxushotels. Jacob ist Vater von 2 Kindern und wohnt mit seiner Familie in Egg. Seine Freizeit verbringt er am liebsten mit Reisen mit der Familie und beim Sport in der Natur, entweder auf den Bergen oder im Wasser.

Das «The Dolder Grand» in Zürich wurde 1899 eröffnet und gehört zu den führenden 5-Sterne-Hotels der Schweiz. Es liegt am Westhang des Adlisbergs mit Aussicht auf die Stadt und den Zürichsee. www.thedoldergrand.com.


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