«Diese Trends werden die Eventbranche auf den Kopf stellen»

16.10.2016 - People
Roland Köppel ist 46 jährig und seit vier Jahren Professor für «Multimedia Production» an der HTW Chur. Dadurch spürt und kennt er die Trends der Eventbranche wie kein Zweiter.

Roland Köppel, als Professor für Multimedia Production beschäftigst du dich intensiv mit den Zukunftstrends der Eventwelt. Wie wird sich die Eventwelt in den nächsten 10 Jahren entwickeln, was sind die spannendsten Entwicklungen, die du momentan beobachtest?

Roland Köppel: Was sich in den nächsten 10 Jahren ändern wird, kann kaum jemand voraussagen. Es zeichnen sich jedoch klare Trends ab, die zwar schon länger bekannt sind, aber sich erst jetzt beginnen zu etablieren:
  • Augmented Reality wird in der ganzen Livekommunikation ein zentrales Thema werden. Zur Zeit noch aufwendig zu produzieren, aber in den kommenden 2-3 Jahren wahrscheinlich kaum mehr wegzudenken.
  • Tracking: Durch die neuen und genaueren Tracking Technologien werden die Besucher und Bedürfnisse für verschiedene Anwendungen aufgezeichnet und eruiert. Dies wird uns für die Inszenierung neue Möglichkeiten eröffnen. Ein Beispiel ist der Greifenseelauf, wo der Läufer nach Zieleinlauf sein persönliches Video erhält, welches unterwegs durch Trackingkameras aufgezeichnet wurde.
  • Live-Events: Der Umbruch der linearen Fernsehwelt wird sich zentral auf das Eventgeschehen auswirken. Fernsehen heisst in Zukunft Live Events konsumieren, wie Olympiaden, WM und natürlich viele kleinere Live-Ereignisse. Alle anderen Formate werden „on Demand“ konsumiert. Das heisst, der Live-Event und dessen Video-Übertragung wird eine viel grössere Bedeutung erhalten.
  • Storytelling über alles: Storyteller werden vielmehr in Agenturen und Firmen anzutreffen sein.
  • Erlebnisdesign: Der Erlebnisdesigner wird sich wie der Szenograf um das Auslösen von Erlebnissen bei sogenannten Marken-Touchpoints kümmern. Dabei kreiert er Erlebnisse rund um die Marke auf verschiedenen Ebenen.
Gibt es auch Entwicklungstrends- und Aspekte, die dir Sorge bereiten?

Sorge bereiten mir die Entwicklungen auf keinen Fall. Es wird sich in den nächsten fünf bis sieben Jahren jedoch sehr viel verändern. Viele heute bestehende Systeme wie Mobilität, Digitalisierung, Energie, etc... werden komplett auf den Kopf gestellt. Im digitalen Bereich wird das „Internet of things, IOT“ unser Leben verändern. Die Auswirkungen des IOT auf unseren Alltag sind im Moment kaum abschätzbar.

Bevor du deine Hochschulkarriere gestartet hast, warst du in der Geschäftsleitung der Habegger AG und hast von 2004 bis 2007 deren Niederlassungen in Doha und Dubai geleitet. Welche Erfahrungen nimmst du aus dieser Zeit mit? 

Ich habe aus dem mittleren Osten sehr wertvolle Erfahrungen mitgenommen. Für uns Europäer war es ein sehr schwieriges Geschäftsumfeld, gleichzeitig hat es mir persönlich aber auch aufgezeigt, dass wir etwas lockerer mit unserer Arbeit umgehen- und nicht immer so verbissen sein sollten. 

Und was hat dich schlussendlich dazu gebracht, dein Wissen und deine Erfahrung an den Nachwuchs der Eventwelt weiterzugeben und Hochschul-Dozent zu werden? 
In den letzten Jahren bei Habegger habe ich das Weiterbildungsprogramm geleitet. Durch glückliche Umstände bin ich an eine Person gelangt, die in Chur den ersten Multimedia-Bachelor Studiengang aufgebaut hat. Das war die Chance in ein neues, akademisches Umfeld einzusteigen, was mich sehr bereichert und inspiriert.

Was begeistert dich am meisten, wenn du deine Studierenden, den Nachwuchs der Eventbranche anschaust?
Durch die jungen, gebildeten Menschen werden alte Systeme aufgebrochen. Neue Denkansätze und frisches Leben inspirieren die Eventwelt. Die Pionierzeit der Eventbranche ist zu Ende, Neues ist am Gedeihen.

Und was ist die wichtigste Botschaft, die du den heutigen Studierenden und zukünftigen «Leistungsträgern» der Eventwelt mitgeben möchtest? 
Geniesst und lebt die faszinierende Eventwelt mit vollem Herzen aber Vorsicht: Erkennt, dass viel Schein dahinter steckt und verliert nie die Realität aus den Augen.

Roland Köppel, herzlichen Dank für das Gespräch. 

Roland Köppel ist 46 jährig und seit 4 Jahren Professor für Multimedia Production an der HTW Chur. Gemeinsam mit seiner Partnerin lebt er in Untervaz. Neben seiner Arbeit als Professor ist er VR bei der Firma Screenpro. Seine Freizeit verbringt er am liebsten in der Natur, gemeinsam mit seiner Partnerin. 


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