«Eventmanagement ist knallharte Knochenarbeit»

10.10.2016 - People
Charly Krabichler hat dieses Jahr seinen 60. Geburtstag gefeiert und gehört gewissermassen zum Inventar der Schweizer Eventbranche. Seit Jahrzehnten organisiert und begleitet er Corporate Events in der ganzen Schweiz und sorgt für unvergessliche Eventerlebnisse. 

Charly Krabichler, erzähl uns ein wenig aus deinem Leben. Wo kommst du her, was hat dich ins Eventbusiness geführt? 
Charly Krabichler: Da muss ich wohl etwas ausholen, der Anfang meiner Eventkarriere liegt doch schon einige Jahrzehnte zurück. Mein Flair und die Leidenschaft für das Organisieren habe ich schon in jungen Jahren entdeckt. Nach meiner Lehre als SBB-Betriebsdisponent hatte ich bei den SBB die Gelegenheit, kleine und grosse Firmen- und Vereinsreisen zu organisieren. Vom klassischen Betriebsausflug bis hin zu Spezialreisen mit Extrazügen im In- und Ausland.

So war ich nach der Eröffnung des Zürcher Flughafenbahnhofs 1980 u.a. zuständig für die Betreuung von Incoming-Gruppen und die Entwicklung von neuen Produkten für rollende Events auf Schienen. Wir hatten beispielsweise den ersten Fondue-Zug ins Leben gerufen. Man stelle sich vor, über 300 Leute bereiteten an ihrem Sitzplatz ihr eigenes frisches Fondue im rollenden Zug zu, dies war eine echte logistische Herausforderung.

Danach zog es mich ins Marketing der SBB, wo ich wiederum mit organisatorischen Aufgaben betraut war. Da ging es um die Entwicklung von neuen Freizeit- und Ausflugsangeboten mit standardisierten Leistungspaketen und einem speziellen Vertriebsnetz.

Mitte der achtziger Jahre hatte ich den Drang, eine neue Branche kennenzulernen und machte eine Ausbildung als Public Relations Fachmann. Im Migros-Genossenschafts-Bund war ich in der PR-Abteilung während einigen Jahren zuständig für die Produktion des Konzern-Jahresberichts. Und siehe da, wiederum holte mich meine eigentliche Leidenschaft ein. Neben Bilanz-Pressekonferenzen gab es da auch andere interne und externe Events zu organisieren.

Je länger desto mehr kam bei mir das Bedürfnis auf, mich als Angestellter von Grossfirmen zu lösen und auf eigenen Beinen zu stehen. Innert kurzer Zeit entschied ich mich für die Selbstständigkeit. Die Zeit war reif für den Aufbau einer eigenen Eventagentur. Da ich dies nicht alleine machen wollte, flog ich kurzerhand nach Dubai zu meinem langjährigen Schulfreund, der dort eine Incoming-Agentur führte. Nachdem ihn mein Konzept überzeugte, gründeten wir 1990 gemeinsam eine der ersten klassischen Eventagenturen im Raum Zürich. Somit war der Grundstein für die weitere Entwicklung gelegt.

Was waren deine bisherigen Stationen in der Eventwelt, was hast du alles so gemacht in den letzten Jahren?
Mein Konzept war, sich ausschliesslich auf Corporate Events zu fokussieren, also nicht als Veranstalter von öffentlichen Anlässen aufzutreten. Anfänglich haben wir uns mit kleineren Anlässen – der Ausdruck „Events“ war damals noch nicht üblich – herumgeschlagen und generierten von Jahr zu Jahr ein grösseres Volumen.

Es war die Zeit, wo Themenevents immer gefragter waren, also von der Strandparty, über Bauernhofevents bis hin zu Western- und Mafiaevents.

Um eine grössere Wertschöpfung zu erreichen und den Kunden eine günstigere Variante anzubieten, kam ich auf die Idee, ein eigenes Themenlokal zu bauen. Nachdem damals in Zürich keine passende Location zur Verfügung stand, fand ich in Glattfelden eine leere, ausgediente Halle, eine ehemalige Wirkerei. Glattfelden war übrigens Ende der 90er Jahre das Mekka der Filmstudios. Big Brother wurde dort gedreht und es entstand das grösste Filmstudio der Schweiz, in denen C-Films die erfolgreiche Serie Lüthi & Blanc produzierten.

Aufgrund einer günstigen Deko-Gelegenheit haben wir unser Themenlokal als Westernstadt aufgebaut und während drei Jahren unzählige Corporate Events im „Grizzly Town“ realisiert. Mit dem Thema war ich jedoch nicht ganz happy, ich wollte etwas Neues anbieten, das noch nicht existiert. So haben wir die Halle im 2001 komplett umgebaut und die Prohibitionszeit der USA der 30er Jahre inszeniert. Mit „Chicago 1928“ konnten wir wirklich einzigartige Events anbieten. Einziges Problem war die periphere Lage, was uns bewog, in Zürich nach anderen Eventlokalen Ausschau zu halten.

Im Jahr 2004 wurden wir endlich fündig. Auf dem ehemaligen ABB-Areal in Oerlikon konnten wir eine grössere Halle mit einer Kapazität von bis zu 1‘000 Personen mieten. Wiederum inszenierten wir ein Thema, diesmal die „World of Movie“. Mit der Zeit mussten wir feststellen, dass die Nachfrage nach neutralen Eventlokalen, u.a. auch aufgrund der idealen Lage beim Bahnhof Oerlikon, immer grösser wurde. Also habe ich mich entschieden, die Location zu „neutralisieren“ und mit „StageOne“ eine multifunktionale Eventlocation anzubieten. 2010 bot sich die Gelegenheit, die ehemalige Giesserei auf dem gleichen Areal dazu zu mieten. Dies war für mich der ideale Zeitpunkt, das „Chicago 1928“ von Glattfelden nach Oerlikon zu zügeln. Somit hatten wir an zentralster Lage zwei attraktive, ganz unterschiedliche Eventlocations.

Was war das spannendste Projekt, das du in deiner Eventkarriere begleiten durftest? 
Parallel zum Betrieb der eigenen Eventlokale habe ich mit meinem Team weiterhin Corporate Events in der ganzen Schweiz realisiert. Als eines der schönsten Projekte  erinnere ich mich gerne an das 50-jährige Jubiläum von Charles Vögele im Jahr 2005. Mit zwei grossen Events am gleichen Wochenende, einem VIP-Event mit über 600 Gästen aus aller Welt in Zürich und einem Event für über tausend Filialleiterinnen in Interlaken. Zu unseren Aufgaben gehörte neben der klassischen Eventkonzeption und Realisation auch die gesamte Transportlogistik mit Charterflügen und Sonderbussen aus ganz Europa sowie die gesamte Hotelkontingentsverwaltung. Mein super Team hat diese Herausforderung mit grossem Engagement und Know-how mit Bravour bestanden. Für mich war dies einer der schönsten Events überhaupt.

Was war das ausgefallenste Projekt, das du betreuen durftest?
Da gäbe es wohl einige Anlässe zu erwähnen. Unvergesslich bleibt aber eine für uns etwas exotisch anmutende Veranstaltung, die Weltmeisterschaften im Modernen Fünfkampf 1995 in Basel. Obwohl ja Public Events oder Sportveranstaltungen nicht gerade zu unserer strategischen Ausrichtung gehörten, hat uns dieses Mandat trotzdem gereizt. Noch jung und unerfahren stürzten wir uns in das Abenteuer und wagten uns erstmals an ein internationales Projekt. Mit knappstem Budget mussten wir zusammen mit dem Schweizer Verband eine WM einer Randsportart ausrichten. Mit viel Schweiss und Engagement gelang es uns, eine erfolgreiche WM durchzuführen. Verdient haben wir praktisch nichts, aber wir wurden reich an Erfahrungen.

Was war der schwierigste Moment deiner Zeit im Eventbusiness?
Einerseits war da der relativ kurzfristige Entscheid meines Geschäftpartners, mitten in der boomenden Phase im Jahr 2005 mit seiner Familie in die USA auszuwandern. Da gab es doch schon einige schwierige Momente. Ich musste mich neu organisieren und fortan alle Entscheidungen selbst treffen, es fehlte mir der vertraute „Sparing-Partner“.

Anderseits kam nach den boomenden Jahren ab 2009 ein Phase der konjunkturellen Abkühlung, welche natürlich auch einen Einfluss auf die ganze Eventbranche hatte. Den lukrativen Jahren folgte eine Zeit der Unsicherheit. Corporate Events wurden zum Teil ganz gestrichen oder die Budgets massiv gekürzt. Zudem gab es auch im Bereich der Eventlocations zahlreiche neue Mitbewerber, die sich den Markt teilen mussten. Als Betreiber von zwei Eventlolalen belasteten uns zunehmend die hohen Fixkosten für Miete und Nebenkosten der Immobilien.

Die ungewisse Zukunft, was die Immobilienbesitzerin mit ihren Liegenschaften vor hat, verunmöglichte mir eine langfristige Planung. Anfangs 2012 habe ich mich entschieden, die Eventlocations in andere Hände zu geben. Mit der Genossenschaft Migros Zürich verband uns seit dem Bau des ersten Eventlokals eine langjährige intensive Partnerschaft. Sie ist heute die Betreiberin von „StageOne und „Chicago 1928“.

Was machst du heute? 
Zusammen mit meiner Geschäfts- und Lebenspartnerin betreue ich verschiedene Sales- und Marketingmandate im MICE-Bereich. Über zwei Jahre begleitete ich ein spannendes Projekt, den Bau und die Inbetriebnahme einer neuen Eventlocation mit Baggermuseum, dem EBIANUM. Aufgrund meines breiten Netzwerks und langjähriger Kundenkontakte komme ich auch immer wieder dazu, spezielle und kleinere Corporate Events zu organisieren. Oder ich begleite als Senior Consultant firmeninterne Organisationsteams bei grösseren Anlässen.

Was ist dein Rat für junge Eventmanager, die am Anfang ihrer Berufskarriere stehen? 
Der Beruf des Event-Managers scheint heute für viele ein Traumjob zu sein. Ob dabei alle Aspekte des Jobs bedacht werden, wage ich zu bezweifeln. Im Vordergrund ist da knallharte Knochenarbeit gefragt. Ich denke, dass eine bedingungslose Bereitschaft zu dienen, Voraussetzung sein muss. Neben dem eigentlichen Know-how zählen für mich Softskills wie Ausstrahlung, Freude und Begeisterung zu den wichtigen Eigenschaften im Umgang mit der heterogenen und anspruchsvollen Kundschaft.

Charly Krabichler hat dieses Jahr seinen 60. Geburtstag gefeiert und wohnt zusammen mit seiner Partnerin im beschaulichen und pittoresken Städtchen Kyburg. Als Hobby betreibt er hier eine kleine Weinstube mit erlesenen Weinen eines Winzers aus dem Wadtländer St-Prex. Mit Wein verbindet er auch seine kulinarische Leidenschaft, sei es im Kochclub oder bei genussvollen Schlemmereien mit guten Freunden. 


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