​Dimitris Agent

17.09.2016 - People
Seit 40 Jahren betreut Jean-Daniel von Lerber Musiker und Künstler aus dem In- und Ausland. Einer seiner Schützlinge war der kürzlich verstorbene Clown Dimitri. Im Gespräch mit dem eventmagazin erzählt von Lerber über seine Begegnungen mit dem grossen Clown.

Jean-Daniel von Lerber, die letzten sechs Jahre hast du Clown Dimitri als Künstleragent betreut. Wie ist es dazu gekommen?

Jean-Daniel von Lerber: Das ist eine schöne Geschichte. Seit 2005 kannten wir uns näher. Damals kam Dimitri in eine Vorstellung des spanischen Mimen Carlos Martínez, der im Weissen Wind in Zürich sein Programm «Human Rights» zeigte. Dimitri war von «Human Rights» begeistert. Zusammen mit Carlos verbrachten wir einen unvergesslichen Abend. Daraufhin lud er den Spanier nach Verscio in sein Theater ein, wo dieser seither regelmässig gastiert. 

Da ich meine Künstler meist begleite, ergaben sich viele weitere Begegnungen mit Dimitri im Tessin. 2010, während der ersten Famiglia Dimitri Tour im «DAS ZELT», besuchte ich eine Vorstellung in Winterthur. Schon im Vorfeld liess Dimitri mich wissen, dass er mich im Anschluss gerne backstage treffen möchte. 

Nach der Vorstellung unterhielten wir uns angeregt, als er mich ganz unvermittelt fragte, ob ich sein Agent werden möchte. Er habe den Eindruck, wir hätten ähnliche Vorstellungen, was gute Agenturarbeit bedeute. Ich habe mir dann eine Nacht Bedenkzeit ausbedungen, bevor ich entschied, wohl wissend, dass die Konsequenzen einer solchen Anfrage gut überdacht werden wollen. Am nächsten Tag habe ich ihm sehr gerne zugesagt und seitdem haben wir eng zusammengearbeitet.

In den letzten Jahren seines Lebens hast du viele Stunden mit Dimitri verbracht und ihr seid gute Freunde geworden. Was für ein Mensch war Dimitri?

Was ich an Dimitri immer schätzte, war seine Offenheit und sein Interesse an anderen Menschen. 

Oft wurde er zu Aufführungen anderer Künstler eingeladen, die dann um seine Kritik baten. Er verstand es, seine Meinung, sei sie noch so kritisch, in einer Art und Weise kundzutun, dass sein Gegenüber sie annehmen konnte. Bei Dimitri wusste man, woran man war. Das galt nicht nur im Blick auf die Vorstellung seines Berufs als Clown, sondern auch wenn es um Kunst, persönliche Meinungen oder seine Sicht als Bürger dieses Landes ging.

Dimitri machte keinen Unterschied der Person. Er stellte sich allen mit Dimitri vor. Ob nun Bundesrätin Doris Leuthard im Anschluss an eine Premiere in der Garderobe erschien oder ein Kind um eine Unterschrift bat, allen gegenüber begegnete er mit der gleichen Freundlichkeit und dem gleichen Interesse. 

Er gönnte anderen Menschen den Erfolg. Ob das nun seine Kinder betraf, drei von ihnen stehen auch auf den Bühnen dieser Welt, Schüler der Scuola Dimitri oder Berufskollegen. Mehr noch, er förderte sein Umfeld, noch besser zu werden. Ganz nach seinem eigenen Motto, ein immer besserer Clown zu werden.

Diese Haltung hat ihm Respekt eingebracht. Das wurde besonders deutlich in all den Nachrufen in der Schweiz, bis hin zur New York Times und The Guardian.

Mit dem Projekt «DimiTRIgenerations» stand Dimitri gemeinsam mit seiner Familie auf der Bühne. Wie geht es jetzt weiter, wo Dimitri nicht mehr da ist?

Schon bald nach Dimitris Tod haben die verbliebenen Mitwirkenden signalisiert, dass sie weitermachen wollen. Das ist ganz im Sinne von Dimitri, davon sind alle überzeugt. So haben Masha, Nina, Samuel Dimitri und Silvana Gargiulo Anfang August mit Proben begonnen und das Stück «Dimitrigenerations» überarbeitet.

Am 20. August haben sie «Dimitrigenerations» erstmals im Teatro Dimitri gezeigt, vier Wochen nach dem letzten Auftritt zusammen mit Nonno Dimitri. Natürlich ein sehr emotionales Szenario, doch die Dramaturgie, die alle Elemente aus Dimitris Bühnenwelt mit einschliesst - Humor, Witz, Poesie, Musik, Artistik und Komik -, hat das Publikum restlos überzeugt und begeistert. Nicht endender Applaus und eine Standing Ovation haben der Famiglia Dimitri viel Mut und Zuversicht für ihre weitere Arbeit gegeben.

Als Agent bist du häufig eine Drehscheibe zwischen Künstler, Veranstalter und Techniker. Was ist dein Erfolgsrezept, damit die Zusammenarbeit aller Beteiligten reibungslos gelingt?

Im Laufe meiner bald 40jährigen Tätigkeit haben sich mehrere Faktoren herauskristallisiert. 

Zunächst, und für mich eines der wichtigsten Prinzipien, ist der gegenseitige respektvolle Umgang auf Augenhöhe. Wie viele Stories wurden mir schon erzählt von Veranstaltern, Künstlern, Technikern und Managern, wie eine Partei die andere über den Tisch gezogen und nur den eigenen Vorteil im Auge gehabt habe, die Techniker komplett ignoriert oder arrogante Forderungen an Veranstalter gerichtet wurden.

Weiter gehört es für mich dazu, nach Abschluss einer Veranstaltung allen Parteien zu danken. Das ist weiss Gott keine besondere Leistung. Zu meinem Erstaunen wird das viel zu wenig praktiziert. Die vielen Jahre im Kulturumfeld haben mir bestätigt, dass Dankbarkeit ein sehr nachhaltiges Investment in gute und langfristige Beziehungen ist.

Dann gehört fundiertes Know-how dazu. Im Gespräch mit Produktionsfirmen ist es von Vorteil, wenn man weiss, wovon gesprochen wird, ob gewisses Material für eine Show tatsächlich notwendig ist oder wie man ein Problem auch noch lösen könnte.

Promotion und die Pflege eines guten Mediennetzwerks sind ebenfalls Pfeiler unserer Arbeit.

Neben deinem Engagement für Dimitri hast du in den letzten Jahrzehnten viele christliche Projekte und Künstler begleitet. Was hat Kunst für dich mit Glauben zu tun?

Pablo Picasso sagte es meiner Meinung nach treffend: «Gott ist auch nichts anderes als ein Künstler. Er erfand die Giraffe, den Elefanten und die Katze. Genaugenommen hat er keinen Stil. Er versucht immer neue Dinge.» 

Kunst, in welcher Form sie auch daherkommt, ist für mich immer ein Spiegel dieser Kreativität. Sie lässt etwas davon aufblitzen, was es mit diesem Schöpfergott auf sich hat. Und wie es Picasso sagte, ist er in keiner Weise langweilig, sondern immer für Überraschungen gut.

Wer an Gott glaubt, weiss, dass er als Mensch nicht die letzte Instanz ist. Diese einfache Erkenntnis wirkt sich direkt auf Beziehungen aus. Der Kampf ums eigene «Recht-haben wollen» kann nicht oberste Priorität sein. Menschen eine zweite Chance zu geben, Neuanfänge zu ermöglichen, Vergebung zu einer Priorität zu machen, das wird so mehr und mehr zu einem Lebensstil.

Jean Daniel von Lerber, herzlichen Dank für das Gespräch.

Jean Daniel von Lerber ist Geschäftsführer der Agentur «Profile-Productions» mit Sitz in Wädenswil ZH, welche er 1990 gegründet hat. Sein erstes Konzert organisierte er 1977 mit Larry Norman im Volkshaus Zürich. Als Veranstalter und Agent hat von Lerber über die letzten 40 Jahre mehr als 4'000 Veranstaltungen organisiert und betreut.


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