«Herausfordernde Projekte reizen mich am meisten»

22.05.2016 - People
Hans-Ulrich Lehmann ist Unternehmer mit Leib und Seele. 1994 hat er durch ein Management Buy-Out den Elektronik Grosshändler «Autronic» übernommen, aus welchem heraus 1999 Mobilezone entstand. Seit einigen Jahren investiert Lehmann auch im MICE & Eventbereich. So hat er ab 2006 die alte Spinnerei in Glattfelden in ein Seminar- und Eventhotel umgebaut und ist neu Betreiber des «Eventparks» im Stettbach, der in wenigen Monaten eröffnet wird und Platz für bis zu 5’000 Besucher bieten soll. Hans-Ulrich Lehmann ist 57 jährig, verheiratet und Vater von 5 Kindern. 

Hans-Ulrich Lehmann, kannst du uns ein wenig deinen unternehmerischen Werdegang beschreiben? 
Hans-Ulrich Lehmann: Selbständig geworden bin ich 1994 durch ein Management Buyout von «Autronic». «Autronic» war damals ein klassischer Elektronik Grosshändler und hat von der Autoantenne über das Mobiltelefon bis zum Fernseher alles verkauft. Im Bereich der Mobiltelefonie waren wir Generalimporteur von Nokia, in einer Zeit, als der Handyboom kurz bevor stand. 

Und irgendwann wurde genau diese Partnerschaft mit Nokia zum Risikofaktor...
1999, mit der Marktliberalisierung kam Nokia zu uns und sagte uns: «Wisst ihr was, wir kommen jetzt selbst in die Schweiz, beliefern die Netzbetreiber von jetzt an selber und brauchen euch nicht mehr. So ist uns über Nacht 80% unseres Umsatzes weggebrochen und wir mussten uns überlegen, wie wir damit umgehen wollten.» 

Zu welchem Schluss seid ihr gekommen? 
Schlussendlich ist aus dieser neuen Ausgangslage Mobilezone entstanden. Ich habe mir überlegt, dass es doch möglich sein müsste, ein Shop Konzept zu entwickeln, wo ausschliesslich Mobil-Kommunikation verkauft wird. So haben wir im Jahr 2000 Mobilezone gegründet und erste Shops in Zürich, Bern und Fribourg gestartet. Ziemlich bald merkte ich, dass mir die Retailerfahrung fehlte und so habe ich mit Ruedi Bär und meinem Bruder Martin die Ergänzung geholt, die Mobilezone schlussendlich zum Erfolg gebracht hat. 

Wie sah dieser Erfolg konkret aus? 
Nun, bereits ein Jahr nach dem Start gingen wir an die Börse. Aus 3 Shops wurden 125 und als ich 2014 aus dem VR zurücktrat, machten wir einen Jahresumsatz von rund 380 Mio Franken.

Bereits ab 2006 hast du dich neben der Telekommunikation in ein zweites Themengebiet gewagt und hast die alte Spinnerei in Glattfelden in ein Seminar- und Eventhotel umgebaut. Wie bist du auf diese Idee gekommen? 
Das ist eine gute Frage. Eigentlich weiss ich bis heute nicht, warum ich das mit dem Riverside gemacht habe. Alle haben mir gesagt: «Lehmann, da wirst du grausam auf die Fresse fallen, ein Hotel an diesem Standort wird nie und nimmer funktionieren». Wahrscheinlich waren es genau diese Reaktionen, die mich dazu gebracht haben, es tatsächlich zu versuchen. Es hat mich gereizt, das Unmögliche möglich zu machen. 

Das Unmögliche möglich machen, gilt das auch bei deinem Engagement im Eventpark, der momentan gebaut wird?
Nein, in eine Event-Halle zu investieren ist kein Risikospiel. Veranstaltungsräume wird es immer brauchen. Ob und in welcher Form es in Zukunft Agenturen und Supplier braucht, ist eine andere Frage, aber Eventräume und Künstler sind schon seit Jahrtausenden gefragt und das wird auch in Zukunft so bleiben. Der Grund, warum ich beim Eventpark eingestiegen bin, ist aber nicht, dass ich eine neue Investitionsmöglichkeit gesucht habe. Peter Habegger, der das Gebäude entwickelt hat, ist auf mich zugekommen und hat mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, einzusteigen. Ich hatte das Gefühl, dass ich mit einem Engagement eine gute Sache unterstützen könnte und so entschied ich mich, mit dabei zu sein. 

Wenn wir gerade beim Risiko sind: Welche Risikoeinschätzung machst du bezüglich deinem Engagement beim EHC Kloten. Du hast den Club vor wenigen Wochen gekauft. Glaubst du auch hier an einen Betrieb nach wirtschaftlichen Grundsätzen? 
Sagen wir mal so: Eine ausgeglichene Rechnung ist im Sportbereich bereits ein schöner Erfolg. Dass man damit Geld verdienen kann, denke ich nicht, aber ein wenig Spass und Freude darf ja auch sein im Leben. 

Heisst das, dass du einfach auf der Suche nach einem neuen Hobby warst und darum den EHC Kloten gekauft hast? 
Nein, der Grund, warum ich den EHC übernommen habe, ist, weil niemand sonst da war und der Club einfach von einem Tag auf den anderen «Game Over» gewesen wäre. 80 Jahre Sportgeschichte, viele treue Fans und eine starke Nachwuchsarbeit wären an die Wand gefahren worden und ich fand dies eine Schande. Darum, und vielleicht auch noch ein wenig aus dem Grund, weil jeder überzeugt ist, dass ich scheitern werde, habe ich es gewagt. 

Wenn man all deine Engagements ansieht, das Hotel Riverside, die kürzlich eröffnete Riverlodge, den Eventpark im Stettbach und neu den EHC Kloten, darf man davon ausgehen, dass es dir so schnell nicht langweilig wird...
Für mich ist es etwas vom Erfüllendsten, etwas bewegen zu können und es ist nun einmal so, dass mich herausfordernde Projekte am meisten reizen. Sie bringen zwar immer Risiken mit sich, wenn du aber immer soviel Risiko eingehst, wie du verkraften kannst, macht es grossen Spass. Insofern kann ich sagen, dass mir die momentane Situation durchaus entspricht. 

Hans-Ulrich Lehmann, herzlichen Dank für das Gespräch


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