Martin Stey: Mein Leben als Zirkusdirektor

04.03.2016 - People
Martin Stey ist 39 jährig und Spross einer der ältesten Zirkusdynastien der Welt. Vor 5 Jahren hat er den «Zirkus Stey» von seinen Eltern übernommen. Im eventmagazin erzählt er aus seinem Leben.

Martin Stey, Sie wurden in eine traditionsreiche Zirkusfamilie hineingeboren. Was hat dies für den Lauf Ihres Lebens bedeutet?
Martin Stey: Als Familie waren wir den grössten Teil des Jahres auf Tournee und ich habe eigentlich nichts anderes gekannt als das Zirkusleben. Wenn wir unterwegs waren, wurde ich gemeinsam mit den Kindern der Artisten von einem Privatlehrer unterrichtet. Als Zirkuskind hatte ich natürlich auch schon früh meinen ersten Auftritt in der Manege. Mit 5 Jahren stand ich gemeinsam mit meinen Eltern zum ersten Mal auf dem Seil im Einsatz – und so wurde ich bald einmal und immer mehr Teil des Zirkusprogramms.

In welchen Funktionen standen Sie über die Jahre im Zirkus Stey im Einsatz?
Wir waren und sind ein Familienzirkus. Damit wir wirtschaftlich überhaupt eine Chance haben, muss jeder von uns ein Allrounder sein und mehrere Rollen übernehmen können. Nach meinen ersten Auftritten auf dem Seil wurde ich Teil der Schleuderbrett-Truppe, habe mit Tieren gearbeitet und stand als Clown im Einsatz. Wenn ich es mir so überlege, habe ich wahrscheinlich ausser «Jonglieren» und «Raubtier dressieren» mehr oder weniger jede Disziplin im Zirkusprogramm auch selbst ausgeübt.

Als Zirkus habt ihr Menschen aus verschiedensten Kulturen und Ländern im Programm. Wie funktioniert euer multikulturelles Zusammenleben im Alltag?
Das Zusammenleben verschiedener Kulturen und auch Religionen funktioniert im Zirkus absolut störungsfrei. Eigentlich sind wir das perfekte Anschauungsbeispiel, dass Christen, Muslime, Buddhisten und Atheisten nicht nur friedlich nebeneinander, sondern friedlich miteinander leben können. Wir hatten in den letzten 30 Jahren ganze Showgruppen aus anderen Kulturen mit auf Tournee und das Miteinander hat immer problemlos funktioniert.

Sie sind verheiratet und haben zwei kleine Kinder. Wie sieht der Zirkus Alltag für Euch als Familie aus?
Zirkus ist für uns eine Familienangelegenheit. Unsere Tochter ist drei Jahre alt und hatte bereits letztes Jahr ihren ersten Auftritt in der Manege. Dieses Jahr wird sie gemeinsam mit meiner Frau und mir auftreten. Meine Frau steht auf Tournee an der Kasse im Einsatz. Daneben ist sie für das Buffet zuständig und macht bei den Tiernummern mit. Und sie ist natürlich die wichtigste Bezugsperson für unsere Kinder. Gemeinsam tragen wir also alle unseren Teil dazu bei, dass Zirkus auch heute noch funktioniert.

Aber es ist schwieriger geworden in den letzten 30 Jahren...
Ja klar, das ist keine Frage. Das Sortiment an Unterhaltung ist heute immens – und viel grösser als noch vor 30 Jahren. Heute gibt es unzählige Festivals, Openair Kinos, Partys, Fernsehen und Internet. Als ich ein Kind war, galt der Zirkus im Dorf noch als Jahres Highlight. Wenn wir an einem neuen Standort angekommen sind, haben uns die Dorfkinder jeweils tatkräftig beim Zelt Aufbau mitgeholfen. Das erleben wir heute kaum mehr.

Wie geht ihr als wirtschaftlich funktionierendes Unternehmen mit dem riesigen Konkurrenzangebot um? Was macht ihr, damit ihr auch heute als Familienzirkus bestehen könnt?
Für uns bedeutet die grosse Programmdichte der heutigen Zeit zweierlei: Erstens suchen wir uns mehr als je zuvor kleinere Ortschaften und Randregionen aus für unsere Auftritte, weil hier die Programmflut noch ein wenig kleiner ist. Zweitens stellen wir unsere Zelte während und neben unseren Shows für Events zur Verfügung. Denn egal ob für Firmenfeier, Generalversammlung oder Hochzeit: Ein Zirkuszelt als Eventlocation löst auch heute noch Begeisterung und Faszination aus.

Martin Stey, herzlichen Dank für das Gespräch.


Martin Stey ist 39 jährig, verheiratet und Vater von zwei kleinen Kindern. Seit fünf Jahren leitet er den Traditionszirkus «Stey». Weiter Infos zu Zirkus & Auftrittsorten: www.zirkus-stey.ch


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