Vom Briefträger zum Good News CEO

22.01.2016 - People
Stefan Matthey, du bist seit November 2015 Geschäftsführer des Konzertveranstalters Good News. Erzähle uns ein wenig über deinen Werdegang. Wo kommst du her, was hast du früher gemacht, was hat dich in die Konzertwelt geführt?
Stefan Matthey: Ursprünglich habe ich Briefträger gelernt und der Konzertveranstalter Free & Virgin hatte ein Postfach bei uns. So kam ich mit den Leuten von dort in Kontakt. Die Musikwelt hatte mich schon immer fasziniert, darum habe ich bald einmal angefangen, mich in meiner Freizeit für Free & Virgin zu engagieren. Zuerst habe ich Plakate aufgehängt, später als Freelancer mitgearbeitet und irgendwann bin ich Harry Sprengers Geschäftspartner geworden.
 
Und warum bist du heute nicht mehr dort?
Leider ist Free & Virgin im Jahr 2011 Konkurs gegangen. Das Konzertbusiness ist relativ brutal, so dass eine einzige Veranstaltung dir das Genick brechen kann. Es braucht nur ein Konzert, wo massiv weniger Besucher kommen als du erwartest, dann bist du weg. Und genau das ist uns im Zusammenhang mit dem Sonisphere Festival 2011 passiert.
 
Was hat das für dich bedeutet, wie ging es danach weiter?
Der Ringier-Konzern, der auch an Good News beteiligt war, hat mich daraufhin kontaktiert und mich angefragt, ob ich für sie arbeiten möchte. Ihr Ziel war es, mit einer neuen Tochterfirma namens «Starclick» Formate zu fördern, welche von Good News nicht abgedeckt wurden. Die Branche spürte damals, dass sich im Musikbusiness ein Wandel anbahnt und darum neue Wege in Aufbau, Auswahl und Promotion der Künstler nötig sind. Ich fand das auch und so habe ich zugesagt. 
 
Du hast den Wandel in der Musikbranche angesprochen, wie hat sich dieser für euch als Konzertveranstalter ausgedrückt?
Unsere neue Herausforderung war und ist, dass es heute viel schwieriger ist, einzuschätzen, wie viele Leute ein Künstler anziehen wird. Früher hattest du die Superstars und die haben dann einfach locker das Hallenstadion gefüllt. Heute ziehen genau diese Stars zum Teil viel weniger Besucher an. Dafür gibt andere Acts, die vor zwei Jahren noch niemand kannte, welche jetzt ganze Stadien füllen. Es geht einfach alles viel schneller, du bist viel schneller da als Künstler und du bist auch viel schneller wieder weg.
 
Es gibt aber auch solche, die schon lange da waren und immer noch da sind...
Absolut. An den Schweizer Daten 2012 / 2013 haben die «Die Toten Hosen» zum Beispiel in der ganzen Deutsch-Schweiz zusammengezählt über 100'000 Tickets verkauft. Wenn es also eine Band schafft, zu ihren Fans Sorge zu tragen, und dann auch noch von Zeit zu Zeit einen Hit landet, kommen die Leute auch heute noch.
 
Und doch kann man sagen, dass es tendenziell ein Überangebot an Konzerten gibt, zumindest in der Schweiz.  
Ja, das ist sicher so. Früher haben die Leute die Konzerttermine ihrer Lieblings Acts an den Kühlschrank geheftet und mit Vorfreude darauf gewartet, dass der Konzerttag endlich kommt. Heute kannst du Google fragen, welche Konzerte am Wochenende in Zürich stattfinden und erhältst eine Liste, die fast nicht mehr aufhört.
 
Sollte uns das beunruhigen?
Beunruhigend ist die Tatsache, dass es eigentlich eine massive Übersättigung an Konzerten gibt, die Konzert-Dichte aber trotzdem weiter zunimmt. Das hat in erster Linie damit zu tun, dass die Künstler praktisch nur noch live Geld verdienen und es führt dazu, dass es in der Schweiz unterdessen fast keine Wiese mehr gibt, wo nicht ein Festival veranstaltet wird.
 
Kommen wir noch ein wenig auf Good News zu sprechen. Wer euch als Konzertveranstalter beobachtet, hat das Gefühl, dass ihr kleiner geworden seid. Täuscht dieser Eindruck?
Nein, diese Beobachtung ist nicht ganz falsch. Als ehemaliger Branchenprimus mussten wir uns damit abfinden, dass wir nicht mehr der Luxusdampfer sind, den wir jahrzehntelang waren. Früher war Good News Exklusivveranstalter im Hallenstadion. Das heisst, wer von der Grösse her ins Hallenstadion wollte, wurde praktisch automatisch ein Kunde von Good News. Heute ist das anders und das führt uns dazu, dass wir uns vom Luxusdampfer verabschieden und auf ein wendiges Schnellboot wechseln müssen.  Unser Ziel ist es, ein Veranstalter zu sein, der wendig und schnell im Musik-Meer herumfräst und die neusten Trends aufgreifen kann.
 
Ein weiterer Eindruck, der bei der Betrachtung von Good News aufkommt, ist, dass ihr immer mehr auf Hardrock und Heavy Metal setzt. Wie siehst du das?
Auch das ist nicht ganz falsch, allerdings muss ich sagen, dass wir alles in allem seit jeher sehr breit fahren. In unserem Konzert-Angebot hat von Klassik über Jazz bis Hardrock alles Platz. Aber es ist sicher auch so, dass ich von meinem Background her eine besondere Nähe zur Rockmusik habe und darum dort auch überdurchschnittlich gut vernetzt bin. Und es ist nun einmal nicht wegzudiskutieren: Wo sich eine Agentur hinbewegt, hängt von der Person ab, die das Booking macht.
 
Zum Abschluss noch drei persönliche Fragen: Was war der schwierigste Moment in deiner Veranstalter Karriere?
Ich denke, das ist etwas, wo jeder Veranstalter mitfühlen kann: Wenn du am Abend des Events feststellst, dass du viel zu wenig Tickets verkauft hast. Du hast an einen Act geglaubt und musst eingestehen, dass es nicht aufgegangen ist. Das ist der Worst Case für jeden Veranstalter, immer wieder.

Du hast in deinem bisherigen Veranstalter Leben unzählige Künstler erlebt, welcher hat dich besonders beeindruckt?
Sehr beeindruckt hat mich meine erste Begegnung mit Lionel Richie. Dazumal war er auf dem höchsten Level seiner Karriere und ich hatte das Gefühl, dass er einer der wenigen war, die vollständig auf dem Boden geblieben sind.
 
Was war deine schrägste Begegnung mit einem Künstler?
Ich habe täglich schräge Erlebnisse mit Künstlern. Ehrlich gesagt, glaube ich, «Künstler» ist die heutige Definition von «schräg». Du verdienst ja als Künstler dein Geld damit, dass du «schräg» bist. Das ist ja beispielsweise auch in der Malerei so.
 
Stefan Matthey, Herzlichen Dank für das Gespräch
 
Stefan Matthey ist 49 jährig, verheiratet und Vater von zwei Kindern. Seit November 2015 amtet er als Geschäftsführer des Konzertveranstalters Good News. 



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