Warum Events & Fernsehen zusammengehören

17.01.2016 - People
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Bild: Lukas Maeder | 13 Photo
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Paul Grau, Gründer und Inhaber von Star TV im Gespräch mit dem eventmagazin.

Paul Grau, durch das Aufkommen des Internets hat sich die Medienlandschaft in den letzten Jahren rasant verändert. Glaubst du, dass Fernsehen weiterhin Zukunft hat?

Paul Grau: Mich ärgert es immer ein wenig, wenn Leute die Zukunft des Fernsehens in Frage stellen. Klar, Internet-Akteure wie z.B. Youtube, haben es sich zum Hobby gemacht, den Niedergang des Fernsehens zu verkünden. Mit der Realität hat dies aber nichts zu tun. Wahr ist viel mehr, dass das Fernsehen nun mit dem Internet einen zusätzlichen Kanal hat, um seine Inhalte zu verbreiten.

In den letzten Jahren habt ihr als Star TV viele Live Übertragungen von Events gemacht. Was verbindet Fernsehen und Events?
In den letzten 20 Jahren haben wir unseren Zuschauern die ganze Veranstaltungspalette, von der Streetparade über das Locarno Filmfestival bis zur Basler Uhrenmesse in die warme Stube übertragen. Dahinter steckt unsere Überzeugung, dass sich Fernsehen als «Live Übertragungs Medium» besser eignet als jeder andere Kanal. Wir können via Fernsehen zehntausende von Menschen in Echtzeit an einem Event teilhaben lassen und die Veranstaltung so mit verhältnismässig wenig Aufwand zu einem Grossereignis machen.

Live Übertragungen können heute problemlos auch via Internet gemacht werden, dafür braucht es «das Fernsehen» nicht zwingend. Einverstanden?
Wer so denkt, denkt kurzsichtig und hat den Unterschied zwischen Medium und Verbreitungstechnologie nicht verstanden. Sicher ist es heutzutage technisch einfach möglich, einen Event ins Internet zu übertragen. Das Problem ist nur, dass er «irgendwo im Internet» keine Zuschauer hat.

Ja gut, aber die Übertragung könnte auch auf einer Onlineplattform stattfinden wo sich viele Leute aufhalten. Zum Beispiel 20min.ch oder so?
Die Situation wird auch dann nicht besser, wenn eine Übertragung auf einer etablierten Plattform stattfindet. Wir haben Zusammenarbeits-Versuche mit Internetportalen gemacht, die Zuschauerzahlen dort waren jeweils sehr ernüchternd.

Von welchen Zahlen reden wir denn da konkret?
Wenn wir in der Prime Time über Star TV einen Live Event verbreiten, hat er die Chance, von 150'000 Personen besucht, sprich mitverfolgt zu werden. Wenn das Gleiche über eine Onlineplattform geschieht, sind es im besten Fall einige tausend.

Warum ist das der Fall, wo doch das Internet heute fast jeden Lebensbereich durchdringt?
Es gibt einen gewichtigen Unterschied zwischen Fernsehen und «dem Internet»: Das Fernsehen kann die Zuschauerzahl eines Live Events «hier und jetzt» vertausendfachen und so aus einer kleinen Veranstaltung einen Grossevent machen. Wenn der Event vorbei ist, ist er auch im Fernsehen Geschichte.

Und wie sieht es im Internet aus?
Im Internet ist es genau umgekehrt: Im Augenblick erreicht ein Live-Ereignis auch heute noch eine nur sehr überschaubare Zuschauerzahl. Dafür eignet sich das Internet perfekt als «Archiv». Das heisst, die Leute schauen sich etwas an, nachdem es passiert ist – und wenn ihnen das aufgezeichnete Ereignis gefällt, verbreiten sie es weiter. Der grösste Effekt im Fernsehen liegt also im Moment, im Internet liegt er in der Vergangenheit.

Das Schweizer Fernsehen hat Events wie die Miss Schweiz Wahl, oder als aktuellstes Beispiel den Swiss Award aus ihrem Sendekonzept gestrichten. Sind „Live Events im Fernsehen“ auch bei euch ein Auslaufmodell?
Nein, wir glauben, dass genau das Gegenteil der Fall ist. Wie bereits erwähnt, ergänzen sich Events und Fernsehen geradezu ideal, weil sie beide in der Echtzeit stark sind. Das Geheimnis eines Events liegt im Moment und niemand kann diesen Moment so gut live transportieren wie das Fernsehen.

Wie sieht es denn mit den Kosten aus für die Event-Übertragung. Ist Fernsehen bei kleineren Veranstaltungen überhaupt finanzierbar?
Die Übertragungskosten für einen Event sind in den letzten Jahren massiv günstiger geworden und das ist ein weiterer Grund, warum ich an die Zukunft von Live Events im Fernsehen glaube. Früher brauchtest du für die Übertragung eines Live Ereignisses einen Übertragungswagen und umfangreiches Equipment. Heute kannst du mit drei synchronisierten SIM Karten über das Handynetz fehlerfrei HD Bilder live übertragen. Was früher Produktionskosten von 30'000 Franken aufwärts verursacht hat, kostet heute noch einen fünftel davon. Dadurch ist es massiv erschwinglicher geworden, auch kleinere Events mit überschaubarem Budget via Fernsehen zu verbreiten.

Paul Grau, herzlichen Dank für das Gespräch.


Paul Grau ist Schweizer Fernsehpionier. In den 1970er Jahren produzierte er Videoclips und Dokumentarfilme, unter anderem mit Krokus, Nina Hagen, den Rolling Stones und Yello. 1980 gründete er die Produktionsfirma Reflection Film AG, mit welcher er unter anderem für das Schweizer Fernsehen und für RTL produzierte. 1994 gründete er zusammen mit der Rediffusion AG (der heutigen UPC) Star TV, den ersten Schweizer Privatfernsehsender, welchen er bis heute leitet. Paul Grau ist 65 jährig und wohnt mit seiner Partnerin in Zürich.


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