Der Künstler-Agent

12.01.2016 - People
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Rolf Schlup, Bild: Thomas Plain
Rolf Schlup, Bild: Thomas Plain
Rolf Schlup, seit 40 Jahren promotest du Schweizer Künstler und begleitest sie auf dem Weg nach oben. Wie bist du dazu gekommen?
Rolf Schlup: Dass ich im Musikbusiness gelandet bin, ist für mich Berufung. Schon als vierjähriger Knirps hatte ich nichts anderes als Musik im Kopf. Als ich aus der Schule kam, wollte meine Mutter, dass ich zuerst etwas anständiges lerne, also habe ich das KV gemacht. Kaum war ich fertig damit, suchte ich einen Weg, um in die Musikwelt einzusteigen. Die Plattenfirma Phonogram suchte einen Lageristen, also habe ich mich beworben. Lagerist war ich allerdings nicht lange. Mein damaliger Chef hat bald gesehen, dass Musik meine grosse Leidenschaft war, also hat er mich gefragt, ob ich nicht anstatt das Lager zu betreuen, Bands aufbauen möchte. Ich wollte,  und so habe ich angefangen, Künstler zu promoten.

Hast du selbst auch mal aktiv Musik gemacht?
Während einigen Jahren war ich Teil der Steve Whitney Band und habe dort Bass gespielt. Wir waren für die damalige Zeit recht erfolgreich, hatten 4-5 Platten aufgenommen und an Festivals gespielt. Lustigerweise war dies auch meine erste Begegnung mit den Jungs von Gotthard. Damals haben sie als halbwüchsige Jugendliche bei uns Autogramme geholt, später hat es dann gedreht und sie haben selbst ziemlich viele Autogramme gegeben.

Was waren die ersten Künstler, die du promotet hast?
Angefangen hat es mit Rumpelstilz. Polo Hofer und Hanery Amann hat damals noch kaum jemand gekannt. Aber es war schon klar, dass da Potential im Anmarsch war. Polo und Co gehörten denn auch zu den ersten Schweizer Rock-Künstlern, die von den Medien begleitet und verbreitet wurden. Das war natürlich für die heimische Musikszene eine ganz neue Dimension.

Wie unterscheiden sich die Künstler von heute von den Künstlern, die du in deinen Anfangszeiten begleitet hast?
Zu Beginn, bei Rumpelstilz oder zum Beispiel auch bei Patent Ochsner ist eigentlich niemand davon ausgegangen, dass man mit Musik auch Geld verdienen kann. Die Jungs haben aus Freude und Leidenschaft gespielt, sind in jedem Club aufgetreten und in der ganzen Schweiz herumgetourt, weil es einfach nichts gab, was sie lieber machten, als Konzerte zu spielen. Marketing war den Künstlern relativ unwichtig. 
Heute funktioniert das oft ein wenig anders. Das grösste Ziel vieler junger Musiker ist es, berühmt zu werden. Und zwar so schnell wie möglich. Und wenn es nicht klappt, geben sie wieder auf.

Vor allem in den letzten 10 Jahren ist das Musiker-Leben ziemlich herausfordernd geworden. Es wird kaum mehr Geld mit Tonträgern verdient, Konzerte sind oft die einzige Einnahmequelle. Welche Auswirkungen hat dies für dich als Promotor? Kannst du noch leben von deinem Beruf?
Danke für die Nachfrage, ja, ich lebe anständig davon. Eigentlich hat sich die Situation für mich in den letzten Jahren fast eher verbessert. Als sich der ganze Wandel abzeichnete in der Musikwelt, mit Itunes, Internet und wegfallenden Einnahmen, war für mich bald einmal klar, dass Promotion für die Künstler in Zukunft eher an Wichtigkeit gewinnen wird. Gerade wenn sich Künstler vermehrt auf Live-Konzerte konzentrieren, ist es entscheidend, dass man sie in der Öffentlichkeit kennt und wahrnimmt.
Dadurch dass ich in der Medien- und Musikwelt über die Jahrzehnte ein grosses Netzwerk aufbauen konnte, habe ich hier die Möglichkeit, eine wichtige Türöffner Funktion wahrzunehmen.

Wenn wir schon beim Geld sind, was denkst du, wieviele Schweizer Pop/Rock Künstler heutzutage noch gut von ihrer Musik leben?
Ich schätze, wir haben zur Zeit sicher 50 Schweizer Acts, die mit ihrer Musik gut verdienen. Da sind einerseits mal die Konzertgagen, dann aber auch die Songrechte, welche nach wie vor Geld bringen, besonders dann, wenn deine Musik im Radio gespielt wird. Plattenverkäufe haben sicher nicht mehr den gleichen Stellenwert wie früher, aber an Konzerten werden auch heute noch einige Tonträger verkauft.

Was war der grösste Erfolg in deinem Leben als Promoter?
Das war sicher die Arbeit mit Gotthard. Ich habe angefangen mit ihnen zu arbeiten, als es noch nichts gab als ein Übungsraum und ein paar Demos. Dann kam nach und nach der grosse Erfolg. Wir waren zusammen in Japan, Thailand, England und haben Hallen gefüllt. Alles in allem durfte ich Gotthard während fast 25 Jahren begleiten.
Aber auch den Aufbau von Solokünstlern wie zum Beispiel Florian Ast habe ich in schöner Erinnerung. In seinen Anfangszeiten habe ich ihn jeweils Zuhause bei seiner Mutter abgeholt und zu den Radiostationen gefahren. Autofahren konnte er damals selbst noch nicht. Geraucht hat er jeweils nur, wenn seine Mutter nicht dabei war. Dabei hat er mir auf unseren Fahrten zum Beispiel das «Eriz» gezeigt, wo sein Grossvater herkam, dem er einen wunderschönen Song gewidmet hat.

Und was war die grösste Schwierigkeit in deiner Karriere?
Ich hatte das Glück, in meiner Laufbahn nicht mit vielen Idioten zu tun zu haben. Die ganzen Casting Show Geschichten zum Beispiel, wo es den Machern nur darum geht, schnelles Geld zu verdienen und die Musiker reines Mittel zum Zweck sind – die sind mir bis heute erspart geblieben. Überhaupt habe ich das grosse Privileg, mein Hobby berufsmässig auszuüben, weshalb sich schwierige Momente bis jetzt eher in Grenzen gehalten haben.

Rolf Schlup, herzlichen Dank für das Gespräch

Rolf Schlup ist 60 Jahre alt und seit 40 Jahren als Künstler-Promoter tätig. Dadurch kennt er die Schweizer Musiker-Szene wie kaum ein Zweiter. Den grössten Teil seiner Karriere war er für grössere Plattenfirmen (Phonogramm, BMG, Musikvertrieb) tätig, seit 2008 arbeitet er auf selbständiger Basis. Rolf ist verheiratet und Vater von zwei kleinen Kindern.


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